Montag, 23. August 2010
Simien Mountains
bbqmann, 11:24h
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Eine Wanderung durch die Siemien Mountains
Wir fahren mit dem Bus von Gonder nach Norden in das kleine Bergstädtchen Debark. Wir sitzen auf der letzten Bank, der Bus ist voll mit Bauern, die auf dem Markt ihre paar Waren verlauft haben und jetzt wieder zurück in ihre Dörfer fahren. Ein strenger Geruch im Bus, die Sitze sind mit Bezügen in Camouflagefarben bezogen, wir warten bis auch der letzte Platz besetzt ist und dann geht es endlich los.
Nebel und Regen während der gesamten Fahrt mit dem klapprigen Bus. Debark befindet sich 2800 Meter über dem Meeresspiegel. Ein Kaff, eine lange Hauptstraße, ärmliche Hütten und Nebel, es ist kalt hier oben. Eine Nacht in einem recht neuen Hotel und am nächsten Morgen geht es um sieben Uhr los. Wir haben uns einen Gaskocher und Schlafsäcke gemietet und werden von einem Guide, der Englisch spricht und einem bewaffneten Scout begleitet. Das ist so vorgeschrieben und ohne den Guide wäre es auch schwierig, denn es gibt keine Wegmarkierungen in den Bergen. Ob man unbedingt einen Scout braucht? …keine Ahnung.
Der erste Tag führt uns durch grüne Berglandschaften auf eine Höhe von 3200 Metern. Die Luft ist ziemlich dünn und wir laufen fast 30km. Je höher wir kommen umso nebliger wird es, von den angeblich spektakulären Schluchten ist nicht zu sehen, was wir aber sehen ist eine Pavianherde, ein alter Ober-Pavian und seine ca. 15 Weibchen mit ihren Kindern - und eine Schafherde.
Abends sind alle total fertig und wir kommen kurz vor dem Dunkelwerden zu ein paar Hütten, in einer werden wir übernachten. Spartanisch, aber nach dem langen Tag das Komfortabelste was man sich vorstellen kann.
Am Nächsten Morgen laufen wir in den dichten Nebel hinein, es klart aber schnell auf und wir sehen direkt neben dem Weg 1000 Meter in die Tiefe, eine spektakuläre Landschaft soweit wir sehen können. Wieder ein langer Marsch und wir kommen zurück nach Debark und fahren von dort aus noch am selben Tag zurück nach Bahir Dar.
Wir kommen irgendwann in der Nacht nach einer langen Wanderung und einer noch längeren Busfahrt an. Zwischendurch noch eine von Bauarbeitern aufgeschüttete Straßenblockade, die erst weggeräumt werden soll, nachdem die Faranjis (Ausländer) einen kleinen Beitrag zur Kaffeekasse geleistet haben. Langes Hin und Her und dann geht es endlich weiter, auch ohne „Bonus“.
Wir haben angefangen die Stadt in verschiedene Untersuchungsgebiete aufzuteilen um die Spur der Land-Stadtmigranten aufzunehmen. Jeder von uns geht in einen bestimmten Stadtteil und wir suchen das Gespräch mit den Leuten in den Straßen. Überall sind die Leute in irgendeiner Weise beschäftigt und sind an irgendetwas am herum werkeln. Die Leute können uns mal mehr und mal weniger in Bezug auf Land-Stadtmigranten erzählen. Aber so langsam formt sich ein Bild von den Strukturen der Stadt und wir können in den nächsten Wochen wohl die Gebiete identifizieren, die für uns von Relevanz sind.
Die Leute sind größtenteils sehr freundlich und wollen wissen was wir in ihrer Gegend wollen. Einige bieten uns ihre Hilfe an und würden gerne an dem Projekt mitarbeiten. Schwer zu unterscheiden wer uns wirklich weiterhelfen kann, wer nur ein wenig Geld verdienen will und wer einfach nur auf der Suche nach ein bisschen Abwechslung ist. Wahrscheinlich oft von allem etwas. Man kann hier unheimlich viel Zeit damit verbringen mit den Leuten zu reden, ihnen zu erklären warum man sich eigentlich in ihrer Gegend herumtreibt oder ihnen einfach bei ihrer Arbeit zuschauen.
Die orthodoxen Christen, die hier die Mehrheit der Bevölkerung stellen, beenden heute eine der drei Fastenzeiten die sie pro Jahr zelebrieren. Gefühlt noch früher und noch lauter als sonst, dröhnen die alten Lautsprecher von der Kirche in unserer Nähe, Lobgesänge in die Nacht hinaus. Ein riesen Lärm und am Nachmittag als ich mich endlich mal aufmache um mir das Spektakel anzuschauen, sind alle Leute verschwunden. Keine Ahnung wo sie alle geblieben sind; vermutlich etwas essen gegangen.
Meine Lieben, hoffe es geht euch allen gut,
bis dahin, der L.
Eine Wanderung durch die Siemien Mountains
Wir fahren mit dem Bus von Gonder nach Norden in das kleine Bergstädtchen Debark. Wir sitzen auf der letzten Bank, der Bus ist voll mit Bauern, die auf dem Markt ihre paar Waren verlauft haben und jetzt wieder zurück in ihre Dörfer fahren. Ein strenger Geruch im Bus, die Sitze sind mit Bezügen in Camouflagefarben bezogen, wir warten bis auch der letzte Platz besetzt ist und dann geht es endlich los.
Nebel und Regen während der gesamten Fahrt mit dem klapprigen Bus. Debark befindet sich 2800 Meter über dem Meeresspiegel. Ein Kaff, eine lange Hauptstraße, ärmliche Hütten und Nebel, es ist kalt hier oben. Eine Nacht in einem recht neuen Hotel und am nächsten Morgen geht es um sieben Uhr los. Wir haben uns einen Gaskocher und Schlafsäcke gemietet und werden von einem Guide, der Englisch spricht und einem bewaffneten Scout begleitet. Das ist so vorgeschrieben und ohne den Guide wäre es auch schwierig, denn es gibt keine Wegmarkierungen in den Bergen. Ob man unbedingt einen Scout braucht? …keine Ahnung.
Der erste Tag führt uns durch grüne Berglandschaften auf eine Höhe von 3200 Metern. Die Luft ist ziemlich dünn und wir laufen fast 30km. Je höher wir kommen umso nebliger wird es, von den angeblich spektakulären Schluchten ist nicht zu sehen, was wir aber sehen ist eine Pavianherde, ein alter Ober-Pavian und seine ca. 15 Weibchen mit ihren Kindern - und eine Schafherde.
Abends sind alle total fertig und wir kommen kurz vor dem Dunkelwerden zu ein paar Hütten, in einer werden wir übernachten. Spartanisch, aber nach dem langen Tag das Komfortabelste was man sich vorstellen kann.
Am Nächsten Morgen laufen wir in den dichten Nebel hinein, es klart aber schnell auf und wir sehen direkt neben dem Weg 1000 Meter in die Tiefe, eine spektakuläre Landschaft soweit wir sehen können. Wieder ein langer Marsch und wir kommen zurück nach Debark und fahren von dort aus noch am selben Tag zurück nach Bahir Dar.
Wir kommen irgendwann in der Nacht nach einer langen Wanderung und einer noch längeren Busfahrt an. Zwischendurch noch eine von Bauarbeitern aufgeschüttete Straßenblockade, die erst weggeräumt werden soll, nachdem die Faranjis (Ausländer) einen kleinen Beitrag zur Kaffeekasse geleistet haben. Langes Hin und Her und dann geht es endlich weiter, auch ohne „Bonus“.
Wir haben angefangen die Stadt in verschiedene Untersuchungsgebiete aufzuteilen um die Spur der Land-Stadtmigranten aufzunehmen. Jeder von uns geht in einen bestimmten Stadtteil und wir suchen das Gespräch mit den Leuten in den Straßen. Überall sind die Leute in irgendeiner Weise beschäftigt und sind an irgendetwas am herum werkeln. Die Leute können uns mal mehr und mal weniger in Bezug auf Land-Stadtmigranten erzählen. Aber so langsam formt sich ein Bild von den Strukturen der Stadt und wir können in den nächsten Wochen wohl die Gebiete identifizieren, die für uns von Relevanz sind.
Die Leute sind größtenteils sehr freundlich und wollen wissen was wir in ihrer Gegend wollen. Einige bieten uns ihre Hilfe an und würden gerne an dem Projekt mitarbeiten. Schwer zu unterscheiden wer uns wirklich weiterhelfen kann, wer nur ein wenig Geld verdienen will und wer einfach nur auf der Suche nach ein bisschen Abwechslung ist. Wahrscheinlich oft von allem etwas. Man kann hier unheimlich viel Zeit damit verbringen mit den Leuten zu reden, ihnen zu erklären warum man sich eigentlich in ihrer Gegend herumtreibt oder ihnen einfach bei ihrer Arbeit zuschauen.
Die orthodoxen Christen, die hier die Mehrheit der Bevölkerung stellen, beenden heute eine der drei Fastenzeiten die sie pro Jahr zelebrieren. Gefühlt noch früher und noch lauter als sonst, dröhnen die alten Lautsprecher von der Kirche in unserer Nähe, Lobgesänge in die Nacht hinaus. Ein riesen Lärm und am Nachmittag als ich mich endlich mal aufmache um mir das Spektakel anzuschauen, sind alle Leute verschwunden. Keine Ahnung wo sie alle geblieben sind; vermutlich etwas essen gegangen.
Meine Lieben, hoffe es geht euch allen gut,
bis dahin, der L.
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die ersten 2 Wochen
bbqmann, 11:23h
Ein paar Worte aus Äthiopien…
ich bin jetzt seit genau einer Woche in Äthiopien und es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Nach zwei wunderschönen Tagen in Istanbul, das im Vergleich doch sehr europäisch ist, sind wir dienstagnachts im strömenden Regen in Addis Baba angekommen. Von da ging es in unser Hotel nahe der „Reeperbahn“ Addis Ababas. Nicht das teuerste, aber wahrscheinlich eines der besten Hotels in Addis. Warmes Wasser, sauberes Bad und alles was man sonst noch so braucht.
Unser erster Spaziergang am nächsten Tag war aufregend. All diese kleinen Shops in denen man verbeulte Kochtöpfe, gefakte Turnschuhe oder alte Bücher kaufen kann. Wir fallen hier auf, Janko und Conrad sind beide fast 1,90 groß, der Durschnittsäthiopier ist eher so meine Größe, und weiß (Faranjis“) sind wir auch noch. Also, immer einer in der Nähe, der uns die beste Abkürzung oder das beste Restaurant der Stadt zeigen möchte. Hat ein paar Tage gedauert sich an den Trubel zu gewöhnen. Nach ein paar Tagen waren wir immerhin schon in der Lage mit den vollgequetschten Minibussen durch die Stadt zu fahren und nicht immer nur das Taxi zu nehmen.
Die Leute freuen sich total, wenn man es schafft ein „Tena Yistilin“ - Guten Tag auf Amharisch herauszustottern und lachen einem ins Gesicht.
Nach fünf Tagen in Addis sind wir am Samstag mit dem Bus weiter nach Bahir Dar gefahren, die etwa 250.000 Einwohner zählende Stadt direkt am Südufer des Lake Taka, in der ich wohl mindestens die nächsten zwei Monate leben werde.
Die Busfahrt hat uns durch die schönsten Landschaften geführt, endlose grüne Wiesen, kleine Dörfer und den äthiopischen Teil des Nils haben wir überquert. Die Menschen in den Dörfern leben größtenteils von der Landwirtschaft. Schon Fünfjährige hüten die Kuhherden, riesige Säcke mit irgendwelchen Früchten werden kilometerweit zum Markt geschleppt und es scheint, als hätte jeder irgendwie seine Aufgabe.
Ein Busstop in einem der größeren Orte auf dem Weg nach Bahir Dar hat uns zu einem kleinen Restaurant geführt, eher ein Saloon, in dem morgens schon der lokale Polizeichef mit seinen Kumpels saß und Bier getrunken hat. Ein säuerlicher Geruch und unendlich viele Fliegen, eine Kellnerin die sich sehr darum bemüht hat unsere Bestellung aufzunehmen, aber zum Schluss hat es nur für 4x Cola gereicht. Ein wenig mehr Amharisch wäre nicht schlecht, mal schauen, wie viel ich in den nächsten Wochen noch so lernen werde.
In Bahir Dar wohnen wir die erste Woche im Hotel, direkt am Lake Tana, eine Hotelbar unter riesigen Bäumen, Pelikane und Vögel in allen Farben. Das absolute Afrikaklischee. Nachts gießt es in Strömen und tagsüber kommt die Sonne oft zumindest für ein paar Stunden zum Vorschein. Wir gehen jeden Morgen joggen, irre anstrengend, Bahir Dar liegt 2000m über dem Meeresspiegel, kein Wunder, dass die Äthiopier so viele erfolgreiche Marathonläufer haben. Die Leute in den Straßen jubeln uns beim Laufen zu und die Kinder rennen quer durch die Stadt neben uns her.
Wir haben ein Haus gefunden in das wir am Freitag einziehen werden. Es ist nicht ganz billig, aber es ist bei weitem das Beste was wir hier finden konnten.
Ein möbliertes Haus, mit drei Schafzimmern, Mango- und Avocadobäumen, einer richtigen Küche und zwei äthiopischen Studentinnen im Hinterhaus. Einen Wachmann haben wir auch, er hat auch schon für unseren Vormieter gearbeitet und wird uns wahrscheinlich noch in der einen oder anderen Situation weiterhelfen können. Die Gepflogenheiten hier vor Ort sind ja manchmal kaum zu durchschauen und immer wieder scheinen die Dinge hier einer anderen Logik zu folgen als der meinen.
Es ist schwer in der Stadt in Ruhe seiner Wege zu gehen und immer wollen die freundlichen Leute auf der Straße am Ende doch nur ein bisschen Geld von einem. Heute haben wir einen langen Spaziergang durch die Stadt gemacht und waren auf dem Markt vor dem uns die Amerikaner so gewarnt haben. Was für ein spannender Ort, die Stände mit Gemüse, Gewürzen, Plastikkram und Tieren. Das ganze Gelände ist durch den Regen total verschlammt und man wundert sich über die Waren, die irgendwo auf kleinen Inseln in riesigen Pfützen ausgebreitet werden. Unser Spaziergang hat uns zu der am Stadtrand gelegenen Bahir Dar University geführt. Ein eigenständiger Mikrokosmos voller Leben und gleichzeitig ein Ort der Ruhe. Auch hier fallen wir natürlich auf, aber es ist sehr viel angenehmer, alle Leute sind total hilfsbereit aber ohne etwas verkaufen zu wollen. Wir haben uns die Mensa angeschaut, waren in der Bibliothek und haben eine Führung über den Campus bekommen.
Aber wir sind ja auch zum arbeiten hier: Zum einen organisieren wir einen Workshop in Bahir Dar, der im Januar stattfinden soll. Thema ist die urbane Entwicklung in der Lake Tana Region, die Land-Stadtmigration und der Umgang mit dem Wandel einer ländlichen zu einer urbanen Gesellschaft. Hierfür arbeiten wir mit den Universitäten in Bahir Dar und in Addis Ababa zusammen. Zurzeit versuchen wir eine Kostenaufstellung zu erarbeiten und einen Ablaufplan für die dreitägige Konferenz zu erstellen. Es geht darum Kontakte zu den relevanten Akteuren vor Ort herzustellen und herauszufinden welche wichtigen Personen unbedingt eingeladen werden müssen und wie man verhindern kann, dass die Parteikader zu viel Einfluss auf das Programm des Workshops nehmen. Dies ist ein recht langwieriger Prozess, die Leute sind nur schwer zu erreichen, sichern einem viel zu und später weiß dann doch niemand so genau Bescheid. Also, immer Ruhe bewahren und sich ein Beispiel an dem gemütlichen Tempo nehmen mit dem hier alles so seinen Lauf nimmt. Hier wird langsamer Fahrrad gefahren, der Kaffee braucht ein wenig länger und generell ticken die Uhren ein wenig langsamer. Total angenehm.
Unsere zweite Aufgabe ist es, Nadine bei ihren Recherchen für ihre Doktorarbeit zu unterstützen. Es geht um den Wandel der Lebensweisen einer in die Stadt migrierten Landbevölkerung und deren Erwerbstätigkeiten in der Stadt. Hierzu versuchen wir uns erst mal einen Überblick über die Stadt zu verschaffen, wir laufen durch die Straßen und schauen einfach nur was wo und wie passiert. zusätzlich versuchen wir über Kontakte an der Uni in Bahir Dar mehr über das Leben der Menschen hier herauszufinden. Wir sind noch ganz am Anfang und ich bin gespannt wo wir in zwei Monaten sein werden.
Es gibt noch so vieles zu erzählen, aber dazu später mehr.
ich bin jetzt seit genau einer Woche in Äthiopien und es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Nach zwei wunderschönen Tagen in Istanbul, das im Vergleich doch sehr europäisch ist, sind wir dienstagnachts im strömenden Regen in Addis Baba angekommen. Von da ging es in unser Hotel nahe der „Reeperbahn“ Addis Ababas. Nicht das teuerste, aber wahrscheinlich eines der besten Hotels in Addis. Warmes Wasser, sauberes Bad und alles was man sonst noch so braucht.
Unser erster Spaziergang am nächsten Tag war aufregend. All diese kleinen Shops in denen man verbeulte Kochtöpfe, gefakte Turnschuhe oder alte Bücher kaufen kann. Wir fallen hier auf, Janko und Conrad sind beide fast 1,90 groß, der Durschnittsäthiopier ist eher so meine Größe, und weiß (Faranjis“) sind wir auch noch. Also, immer einer in der Nähe, der uns die beste Abkürzung oder das beste Restaurant der Stadt zeigen möchte. Hat ein paar Tage gedauert sich an den Trubel zu gewöhnen. Nach ein paar Tagen waren wir immerhin schon in der Lage mit den vollgequetschten Minibussen durch die Stadt zu fahren und nicht immer nur das Taxi zu nehmen.
Die Leute freuen sich total, wenn man es schafft ein „Tena Yistilin“ - Guten Tag auf Amharisch herauszustottern und lachen einem ins Gesicht.
Nach fünf Tagen in Addis sind wir am Samstag mit dem Bus weiter nach Bahir Dar gefahren, die etwa 250.000 Einwohner zählende Stadt direkt am Südufer des Lake Taka, in der ich wohl mindestens die nächsten zwei Monate leben werde.
Die Busfahrt hat uns durch die schönsten Landschaften geführt, endlose grüne Wiesen, kleine Dörfer und den äthiopischen Teil des Nils haben wir überquert. Die Menschen in den Dörfern leben größtenteils von der Landwirtschaft. Schon Fünfjährige hüten die Kuhherden, riesige Säcke mit irgendwelchen Früchten werden kilometerweit zum Markt geschleppt und es scheint, als hätte jeder irgendwie seine Aufgabe.
Ein Busstop in einem der größeren Orte auf dem Weg nach Bahir Dar hat uns zu einem kleinen Restaurant geführt, eher ein Saloon, in dem morgens schon der lokale Polizeichef mit seinen Kumpels saß und Bier getrunken hat. Ein säuerlicher Geruch und unendlich viele Fliegen, eine Kellnerin die sich sehr darum bemüht hat unsere Bestellung aufzunehmen, aber zum Schluss hat es nur für 4x Cola gereicht. Ein wenig mehr Amharisch wäre nicht schlecht, mal schauen, wie viel ich in den nächsten Wochen noch so lernen werde.
In Bahir Dar wohnen wir die erste Woche im Hotel, direkt am Lake Tana, eine Hotelbar unter riesigen Bäumen, Pelikane und Vögel in allen Farben. Das absolute Afrikaklischee. Nachts gießt es in Strömen und tagsüber kommt die Sonne oft zumindest für ein paar Stunden zum Vorschein. Wir gehen jeden Morgen joggen, irre anstrengend, Bahir Dar liegt 2000m über dem Meeresspiegel, kein Wunder, dass die Äthiopier so viele erfolgreiche Marathonläufer haben. Die Leute in den Straßen jubeln uns beim Laufen zu und die Kinder rennen quer durch die Stadt neben uns her.
Wir haben ein Haus gefunden in das wir am Freitag einziehen werden. Es ist nicht ganz billig, aber es ist bei weitem das Beste was wir hier finden konnten.
Ein möbliertes Haus, mit drei Schafzimmern, Mango- und Avocadobäumen, einer richtigen Küche und zwei äthiopischen Studentinnen im Hinterhaus. Einen Wachmann haben wir auch, er hat auch schon für unseren Vormieter gearbeitet und wird uns wahrscheinlich noch in der einen oder anderen Situation weiterhelfen können. Die Gepflogenheiten hier vor Ort sind ja manchmal kaum zu durchschauen und immer wieder scheinen die Dinge hier einer anderen Logik zu folgen als der meinen.
Es ist schwer in der Stadt in Ruhe seiner Wege zu gehen und immer wollen die freundlichen Leute auf der Straße am Ende doch nur ein bisschen Geld von einem. Heute haben wir einen langen Spaziergang durch die Stadt gemacht und waren auf dem Markt vor dem uns die Amerikaner so gewarnt haben. Was für ein spannender Ort, die Stände mit Gemüse, Gewürzen, Plastikkram und Tieren. Das ganze Gelände ist durch den Regen total verschlammt und man wundert sich über die Waren, die irgendwo auf kleinen Inseln in riesigen Pfützen ausgebreitet werden. Unser Spaziergang hat uns zu der am Stadtrand gelegenen Bahir Dar University geführt. Ein eigenständiger Mikrokosmos voller Leben und gleichzeitig ein Ort der Ruhe. Auch hier fallen wir natürlich auf, aber es ist sehr viel angenehmer, alle Leute sind total hilfsbereit aber ohne etwas verkaufen zu wollen. Wir haben uns die Mensa angeschaut, waren in der Bibliothek und haben eine Führung über den Campus bekommen.
Aber wir sind ja auch zum arbeiten hier: Zum einen organisieren wir einen Workshop in Bahir Dar, der im Januar stattfinden soll. Thema ist die urbane Entwicklung in der Lake Tana Region, die Land-Stadtmigration und der Umgang mit dem Wandel einer ländlichen zu einer urbanen Gesellschaft. Hierfür arbeiten wir mit den Universitäten in Bahir Dar und in Addis Ababa zusammen. Zurzeit versuchen wir eine Kostenaufstellung zu erarbeiten und einen Ablaufplan für die dreitägige Konferenz zu erstellen. Es geht darum Kontakte zu den relevanten Akteuren vor Ort herzustellen und herauszufinden welche wichtigen Personen unbedingt eingeladen werden müssen und wie man verhindern kann, dass die Parteikader zu viel Einfluss auf das Programm des Workshops nehmen. Dies ist ein recht langwieriger Prozess, die Leute sind nur schwer zu erreichen, sichern einem viel zu und später weiß dann doch niemand so genau Bescheid. Also, immer Ruhe bewahren und sich ein Beispiel an dem gemütlichen Tempo nehmen mit dem hier alles so seinen Lauf nimmt. Hier wird langsamer Fahrrad gefahren, der Kaffee braucht ein wenig länger und generell ticken die Uhren ein wenig langsamer. Total angenehm.
Unsere zweite Aufgabe ist es, Nadine bei ihren Recherchen für ihre Doktorarbeit zu unterstützen. Es geht um den Wandel der Lebensweisen einer in die Stadt migrierten Landbevölkerung und deren Erwerbstätigkeiten in der Stadt. Hierzu versuchen wir uns erst mal einen Überblick über die Stadt zu verschaffen, wir laufen durch die Straßen und schauen einfach nur was wo und wie passiert. zusätzlich versuchen wir über Kontakte an der Uni in Bahir Dar mehr über das Leben der Menschen hier herauszufinden. Wir sind noch ganz am Anfang und ich bin gespannt wo wir in zwei Monaten sein werden.
Es gibt noch so vieles zu erzählen, aber dazu später mehr.
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Samstag, 24. Juli 2010
jetzt gehts los
bbqmann, 02:39h
Istanbul
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